L 22 unterirdisch: Methling lässt seine Träume planen

OZ/LOKAL/HRO vom 21.01.2012

Der OB legt erstmals Entwürfe für seine Vision vor. Am Wasser entsteht das neue Theater, und die meistbefahrene Straße der Stadt verschwindet in einem Tunnel.

Stadthafen (OZ) – Es sieht aus wie ein Gemälde. Wie ein Traum von einem schöneren Rostock: Am Stadthafen hat das Traditionsschiff festgemacht — direkt vor einem neuen Glaspalast. Dem Zuhause des Volkstheaters und des Schifffahrtsmuseums. Auch der Schwimmkran „Langer Heinrich“ liegt dort. Die Besucher kommen zu Fuß aus der Stadt geschlendert. Keine Straße versperrt den Weg. Denn die L 22 ist weg. Verschwunden unter der Erde, in einem Tunnel. Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) will genau diese Traummalerei wahrmachen. Die Ideen hat er schon lange, doch kurz vor der Wahl hat er seine Vision jetzt erstmals auch bildlich umsetzen lassen.

Das Gemälde, der erste Entwurf seiner Vision, stammt vom Architekturbüro HMXW aus Stockholm. Im Auftrag des Vereins „Tradition Ostseeschifffahrt“, dem Methling selbst vorsteht, haben sich die Planer aus der schwedischen Hauptstadt erste Gedanken zum Stadthafen gemacht. Doch auch die Stadtverwaltung selbst beschäftigt sich mit der Idee: Das Stadtplanungsamt prüft derzeit den möglichen Neubau des Volkstheaters am Stadthafen — und auch eine Verlegung der L 22 unter die Erde haben die Fachleute auf dem Zettel. „Bis Ende Februar liegen erste Ergebnisse der Voruntersuchungen auf dem Tisch, die wir dann sofort in die Fraktionen geben werden“, verspricht Methling.

Dass er sowohl das Schifffahrtsmuseum samt „Tradi“ als auch das Theater in den Stadthafen holen will, ist nicht neu. „Am Stadthafen haben wir die wertvollsten Flächen der Stadt. Die dürfen wir nicht als Parkplätze verkommen lassen. Jeder Besucher sieht das sofort“, so Methling. Er wolle das Potenzial Rostocks endlich nutzen. Der erste Entwurf im Auftrag des Vereins „Tradition Ostseeschifffahrt“ sieht einen Gemeinschaftsbau mit 11 000 Quadratmetern für das Schauspielhaus und 3000 Quadratmetern für das Museum vor.

Damit der Hafen und die Stadt endlich zusammenwachsen können, muss aber die L 22 aus dem Weg: „Es ist doch vorstellbar, die Straße auf 150 bis 300 Meter unter die Erde zu verlegen“, sagt Methling.
Zwischen der Schnickmannstraße und dem Kanonsberg würde dann eine freie Fläche entstehen, auf der neue Wohnhäuser und Geschäfte gebaut werden sollen. „Und Platz für die Hanse Sail wäre in Richtung Christinenhafen immer noch.“

Zu den Kosten aber sagt der OB noch nichts – und genau das stört Steffen Wandschneider, den neuen Fraktionschef der SPD in der Bürgerschaft: „Ein solches Projekt – mit Tunnel und neuem Theater – kostet mindestens 100 Millionen Euro. Eher mehr. Wo sollen wir das Geld hernehmen?“, fragt er. „Ein Denkmal für einen Bürgermeister brauchen wir nicht.“ Wandschneider hat aber noch mehr auszusetzen an dem ersten Entwurf: Ihm fehlen die Parkplätze für die neuen Häuser. „Und was ist mit dem Hochwasserschutz im Tunnel?“
Deutlich aufgeschlossener hingegen reagiert Frank Giesen, stellvertretender Fraktionschef der CDU und Vorsitzender des Bauausschusses: „Ein Mehrzweck-Gebäude am Hafen – für Theater und Museum – finde ich nicht schlecht. Damit kann ich mich richtig anfreunden.“ Sollte sich Rostock eines Tages für die Vision des OB entscheiden, will Giesen aber lieber klotzen als nur kleckern: „Dann müssen wir das richtig machen. Dann haben Parkplätze vor dem Theater nichts verloren. Da brauchen wir Freiflächen — und die Autos gehören wenn schon auch unter die Erde.“ Allerdings zweifelt auch Giesen an den hohen Kosten: „Das dürften eher 200 Millionen Euro werden.“

Eva-Maria Kröger, Fraktionsvorsitzende der Linken, ist von dem Entwurf angetan: „Da hat sich jemand gründlich Gedanken gemacht“, lautet ihr Urteil. Ein solches Projekt ließe sich nur über viele Jahre hinweg umsetzen: „Das ist ein massiver Eingriff in die Stadtgestaltung, die wir vorher breit diskutieren müssten.“ Kröger will aber anderen Projekten erst mal Vorrang einräumen: „Bevor wir in der City wieder Büros und Wohnungen bauen, sollten wir zuvor etwas für die anderen Stadtteile tun.“

Architekt urteilt: „Zu viel bebaute Fläche“

Der Architekt Alexander Schmidbauer hat sich auf das „grüne Bauen“ spezialisiert — und ist von dem Entwurf für den neuen Stadthafen ganz und gar nicht angetan:
„Rein optisch überzeugt er mich überhaupt nicht“, so der Lübecker Planer. Seine Kritikpunkte: Mit der neuen Wohnbebauung über dem L 22-Tunnel entstehe „ziemlich viel Baumasse“. „Das Areal wird dadurch sehr verdichtet, es bleiben sehr wenige Freiräume.“ Dass seine schwedischen Kollegen am Stadthafen auch weiterhin mit einem Parkplatz planen, hält er für völlig falsch. Schmidbauer hat aber einen Gegenvorschlag parat: „Ich könnte mir an der Stelle große, begrünte Rampen vorstellen, die sich vom Hafen Richtung Stadt anheben und unter denen dann Autos parken können. Auf den Rampen wäre Platz für die Menschen, für Sitzgelegenheiten. Das wäre elegant. Und so werden Infrastrukturbedürfnisse von Touristen und die ökologischen Aspekte der Freiraum-Planung vereint.“


Andreas Meyer

Quelle: Ostsee Zeitung
 

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