Wer wird Rathaus-Chef in der wichtigsten Stadt von Mecklenburg-Vorpommern?
Amtsinhaber Roland Methling liegt gut im Rennen. Experten rechnen mit einer Stichwahl.
In der größten Stadt des Landes wird am 5. Februar ein neuer Oberbürgermeister gewählt — und im Kampf um die Stimmen liegt derzeit der Amtsinhaber weit vorn. Der parteilose Politiker Roland Methling (57) hat die besten Chancen, für weitere sieben Jahre die wichtigste Stadt in Mecklenburg-Vorpommern zu regieren. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Rostocker Marktforschungsinstituts Dukath hervor. Im Auftrag der OZ befragte Dukath 1001 wahlberechtigte Rostockerinnen und Rostocker in der Zeit vom 11. bis zum 17. Januar.
Umfrage-Ergebnisse für die Rostocker Oberbürgermeisterwahl am 5. Februar. Quelle: Marktforschungsinstitut Dukath für OZ, Grafik: Zill
Die weiteren Kandidaten haben eher geringe Chancen, Methling in einer möglichen Stichwahl noch gefährlich zu werden: Christian Blauel (45, Grüne) käme auf 6,4 Prozent, Sybille Bachmann (51, Rostocker Bund) auf 4,4 Prozent der Stimmen.
Aber noch sind die Würfel nicht gefallen, die Stimmung kann sich noch drehen. Denn immerhin 36 Prozent der Befragten wissen noch gar nicht, wem sie ihre Stimme geben werden. „Die heiße Phase des Wahlkampfs hat erst angefangen. Das kann man zum Beispiel daran sehen, dass die Plakate häufiger gewechselt werden“, sagt Christopher Scheele, Politikwissenschaftler von der Universität Rostock. „Die Kandidaten von CDU, SPD und Linke haben alle noch Chancen, in eine Stichwahl zu kommen“, glaubt auch Forscher Peter Schwemin vom Institut Dukath. „Und wenn es zu einer Stichwahl kommt, ist wieder alles völlig offen“, meint Politologe Scheele. Erhält kein Bewerber am 5. Februar mehr als die Hälfte aller Stimmen, treten die beiden Bestplatzierten am 19. Februar noch einmal an. Dann reicht die einfache Mehrheit .
Das fehlende Parteibuch ist offenbar kein Manko für Amtsinhaber Roland Methling. Laut Umfrage kann er auf Stimmen aus nahezu allen politischen Lagern bauen. Die meisten seiner Wähler (28,9 Prozent) sind eigentlich SPD-Anhänger. Und der Amtsinhaber kommt besonders gut bei den über 65-Jährigen an – ein Drittel seiner Wähler gehört zu dieser Altersklasse.
Seine Herausforderer punkten dagegen vor allem in ihren eigenen Reihen: Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens wird zu 73,4 Prozent von CDU-Anhängern gewählt. Für den kommunalpolitischen Neuling und Finanzamts-Chef Ait Stapelfeld stimmen zu 68 Prozent SPD-Wähler. Linkspolitikerin Kerstin Liebich, bis September 2011 noch Mitglied des abgewählten rot-roten Senats in Berlin, wird zu 84,7 Prozent von Anhängern ihrer Partei gewählt. „Das sind alles sehr gute Werte“, sagt Forscher Schwemin. Nun komme es darauf an, die Wähler zu mobilisieren.
2005 gingen nur 42,7 Prozent zur Wahl, Methling gewann im ersten Durchgang mit 58,2 Prozent. Der Umfrage-Gewinner sagt: „Das Ergebnis ist Ansporn, weiter für eine hohe Wahlbeteiligung zu kämpfen“.
Wirtschaftliches Zentrum im Nordosten
31 Ortsteile bilden die Hanse- und Universitätsstadt Rostock. Mit knapp 203 000 Einwohnern ist Rostock die größte Stadt im Nordosten, sie bildet zudem mit dem angrenzenden Landkreis Bad Doberan das wirtschaftliche Zentrum des Bundeslandes. Wichtigste Branchen sind Transport und Logistik, erneuerbare Energien, Tourismus und maritime Wirtschaft. Für mehr als 30 000 tägliche Einpendler ist Rostock der Arbeitsort, insgesamt gibt es fast 80 000 Jobs in der Stadt. Dank des Ostsee-Hafens und der guten Schienen- und Autobahnanbindung haben sich in den vergangenen Jahren viele neue Großbetriebe in der Stadt angesiedelt.
174 400 Wahlberechtigte stimmen am 5. Februar über ein neues Stadtoberhaupt ab. 14 000 von ihnen sind Erstwähler.
Gerald Kleine Wördemann
Quelle: Ostsee Zeitung